Montag, 11. Oktober 2010

Just a Joyride

Die letzte Woche habe ich und haben zum Teil wir in London und Oxford verbracht. Für mich ziemlich arbeitsreich und stressig, da war heute Kontrastprogramm nötig: Schnell das wichtigste abgearbeitet und dann zur Mittagspause in den Sattel. Raus aus der Tiefgarage, unsere Straße runter beschleunigt und drüben am Waldrand in den kleinen Doubletrack eingebogen. Danach habe ich mich einfach treiben lasse über die zahllosen kleinen Singletracks im Münchner Randgebiet. Zeillos um die Bäume rum, ein paar Mal im Kreis, nichts schwieriges und alles flach. Genau das richtige für mein Freund, das linke Knie. Ganz langsam sieht das Bein wieder aus, wie es sollte. Beim Biken merke ich nichts, das ist natürlich positiv.
Also, kein besonderer Ride heute, einfach ein kleines bisschen bewegen, ein paar Trails und wertvolle Zeit in der Herbstsonne genießen. Nach 90 Minuten rollte ich wieder durch das Garagentor und wandte mich der Espressomaschine zu.
Ach übrigens, es gibt noch ein paar Bilder vom Rennen in Ischgl, aufgenommen kurz vorm Crash:




Sonntag, 22. August 2010

Stand-by


Es dauert noch eine Weile, bis ich wieder locker durch die Gegend gleiten kann. Das Knie muckt vor sich hin, die OP-Wunde ist unter einer dicken Schicht Verband versteckt und meine unbändige Muskulatur eingeengt in eine Gehschiene. Dort macht sie vor allem eines: Abbauen. Das bestätigen auch die Ärzte: Die Muskeln nehmen rapide ab. Nach ein paar eher mühsehligen Übungen habe ich jetzt erstmal gehörigen Muskelkater. Immerhin positiv: Der Verdacht auf Kahnbeinfraktur hat sich nicht bestätigt. Die Verstauchung der Hanwurzel muss trotzdem drei Wochen mit Grips ruhiggestellt werden. Natürlich rechts. Toll. Langsam aber sicher schleiche ich mich aus dem Medikamentencocktail aus Schmerzmitteln gegen Brustprellung und Bein raus, das Antibiotika gegen etwaige Entzündungen muss ich noch ein paar Tage nehmen. Alles langweilige Informationen? Finde ich auch, mich langweiligt diese Sache auch erheblich. Soviel tote Wartezeit bei Ärzten, soviel länger dauert es, von A nach B zu kommen oder diesen Text hier zu tippen. Dabei heitert mich allerdings der Gedanke daran, wie gut ich es den Umständen entsprechend erwischt habe, auf. Bei dem Einschlag hätte die Sache auch ganz anders ausgehen können.
Ich habe in den letzten Tagen viel an die vergangenen Rennen und Bikewochenenden zurückgedacht und bin ein bisschen stolz darauf, was wir in dieser Saison so alles gemacht haben. Außerdem denken wir über die Anschaffung zweier Low-Budget-29er für den Winter nach. Während der Freitagstour bei SiS hab ich die großen Räder mal ausprobiert. Der Unterschied ist wirklich frappierend und birgt zweifelsohne seine Qulitäten. Auf die quirligen 26er will ich sicherlich nicht verzichten, aber eine schöne Ergänzung wäre so ein 29er allemal...

Sonntag, 15. August 2010

Autschn


Das ist das Resultat des gestrigen Ischgl Ironbike: Ein Schleimbeutel weniger, Verdacht auf Kahnbeinfraktur, ein paar weitere Kratzer, aber ein Finish auf der Mittelstrecke (Veranstalterangabe: 50 km, 2.000 Höhenmeter) unter vier Stunden. War es das wert? Sicherlich nicht, aber das hilft jetzt auch nichts. Der Satz, dass Stürze nunmal beim Rennenfahren passieren, ist zwar abgedroschen, letztlich aber doch wahr. Mich hat es in einer ausgewaschenen Rinne rund drei Kilometer vorm Ziel (nach einem ansonsten schönen und gut eingeteilten Rennen) erwischt. Mit einem Bein bin ich dann noch bis Ischgl ins Ziel gefahren. Wäre so etwas weiter oben passiert, hätte ich ein bisschen Heli fliegen dürfen. Die Rennsaison ist damit vorbei, aber das war eh so geplant. Schön war's, auch wenn ich mir das Ende schmerzfreier vorgestellt hatte.

Sonntag, 8. August 2010

S war SiS


Und es war geil! SiS ist das beste Rennen der Welt und heute für mich das, was früher einmal Weihnachten war. Verdammt geil erleben zu können, dass man vor lauter Vorfreude nicht einschlafen kann. Ein Grund dankbar zu sein, wenn man als erwachsener Mensch (ok, das nehme ich zurück, aber immerhin als jemand, der stark auf die 30 zu läuft) die Tage rückwärts zählt. Aber was heißt hier Rennen? SiS ist zwar auch ein Rennen, aber vor allem noch viel mehr. Ein Fest der Liebe am Biken in Zeiten von Bremskennlinien in Hochglanzmagazinen und Einheitscarbonschüsseln, auf denen entweder Cube oder Canyon steht. Haben Sie Fahrstil? An diesem Wochenende definitiv – Woodstock, Wacken, Weidenthal!
Wir waren dieses Jahr zum dritten Mal bei SiS dabei und endlich haben wir uns auch richtig Zeit nehmen können dafür. Am Donnerstagabend haben wir den Bus am Zieldownhill geparkt und uns danach die Bäuche beim Kommando Pfifferling in der Dorfkneipe voll geschlagen. Am Freitag gab’s eine geführte Tour über ein paar Pfälzer Wald Trails. Petra und ich haben uns dabei für die äußerst lebenswerte gemütliche Variante mit ausführlichem Biergartenbesuch entschieden. Als wir zurück auf dem Festivalgelände waren, war dann auch unser Team vollzählig. Neben Matthias aus Sindelfingen waren Judith und Bertram aus Stuttgart und Sven und Christiane aus Karlsruhe mit am Start. Wir kühlten die Kehlen und zogen als es dunkel wurde zur Blockhütte. Schlammbeim sorgten für dirty Rock and Roll – das Bier spritze durch die Menge, die Ohren klingelten und der aktuelle SiS Hit namens S is SiS blieb hinter seinen legendären Vorgängern kein Stück zurück. Betrunken und glücklich fielen wir in die Betten.
Samstag war Renntag, oder eher Rennnacht. Start bei kalendarischem Sonnenuntergang (irgendwann kurz vor 9), Zielschluss bei kalendarischem Sonnenaufgang (ungefähr um sechs Uhr morgens). Bis es abends endlich losging blieb reichlich Zwischenzeit totzuschlagen, in der wir Bier verschenkten, die Kids beim Kinderrennen angefeuert, viel gegessen und ein bisschen geschlafen haben.
Also, das Rennen. Petra, Judith, Sven und Bertram starteten als Schlafentzug statt Schlafanzug II und machten eine große Party draus. Die vier beschimpften alle überambitionierten, tranken mit den Streckenposten und einem Typen im Biene-Maja-Kostüm Bier und waren einfach sehr SiS.
Und Matthias und ich hatten als Schlafentzug statt Schlafanzug I eine saugeile Nacht. Yeah, Rock n Roll, wir haben’s jucken lassen! Im Zweierrhytmus wechselten wir durch, fluchten ab circa halb vier morgens über den Regen, froren und schwitzten und schworen, im nächsten Jahr nur noch zum Bier trinken zu kommen, und hatten um sechs Uhr morgens, wenn wir uns nicht verzählt haben, 14 Runden zu verbuchen, jeder sieben, was zusammen rund 160 Kilometern und jeder Menge Motivationssuche im dunklen Wald entspricht. Ich war bei der Siegerehrung leider zu tot, um wirklich die Rundenzahlen der Schnellsten mitzubekommen, aber ich lehne mich mal weit aus dem Fenster und sage, dass wir ganz zufrieden sein können.
So, jetzt ins Bett. Schlafen, viel und tief.

Samstag, 31. Juli 2010

Gegen den Rest der Welt



Gerade komme ich nach Hause vom Sauheld Cup - ein Teamrennen in der Nähe von Münsingen auf der Schwäbischen Alb. 2 Stunden im Zweierteam nach 24-Stunden-Reglement (also immer nur einer auf der Strecke) auf einem 3,2-km-Wiesenrundkurs mit 65 Höhenmetern. Für mich lag das Rennen optimal auf dem freitäglichen Nachhauseweg von Tübingen nach München. Und, ich kann berichten: Ich habe die Solo-Klasse gewonnen!
OK, genaugenommen gab es keine Soloklasse. Matthias hat sich nur leider nicht aus dem Büro loseisen können (der Sauheld-Cup ist ein Abendrennen) und so habe ich alleine gegen die Zweierteams meine Runden gedreht. Die Strecke suckte ziemlich: Für ein Crossrennen vielleicht in Ordnung, aber zum Mountainbiken gehören wenigstens ein paar Meter Singletrail, oder? Dank des Regens der letzten Tage wurden die Wiesenwege dann auch noch eine astreinen Pampe, was sämtlichen Startern eine steile Laufpassage bergauf beschehrt hat. Aber ich muss zugeben: Tolle Stimmung an der Strecke, der halbe Ort auf den Beinen!
Das Rennen begann schnell, aber irgendwie habe ich meinen Rhythmus gefunden und auf mittleren Ausdauermodus geschaltet, während mit die Zweierteams großteils um die Ohren flogen. Mir egal, ich hatte meinen Spaß und fuhr friedlich vor mich hin. Die letzte halbe Stunde war nochmal hart, ein bisschen zu schnell gestartet war ich dann vielleicht doch.
Keine Ahnung, ob ich es geschafft, trotz meiner Doppelrenndauer nicht letzter zu werden [Edit: Ja, habe ich - was bin ich doch ein Held]. Ebenso habe ich vollkommen den Überblick verloren, wieviele Runden ich gefahren bin. Im letzten Jahr hat es das Siegerteam auf 18 Runden gebracht. Ich fürchte, das habe ich knapp unterboten [Edit: Ja, habe ich. Es waren 13]. Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, stand die Uhr bei 2 Stunden 26 Minuten, als ich ins Ziel kam. Dank eines äußerst unglücklichen Überrundungsrhythmus trat das ein, auf das ich am allerwenigsten Bock hatte - auch noch die letztmögliche Runde fahren müssen. Auf die Ergebnisliste habe ich ebenfalls nicht geschaut, da ich mich so schnell wie möglich nach dem Zieleinlauf auf den Heimweg gemacht habe, wo ich einen Almighurt-Jogurt, ein Glas Heringe von Ikea und ein Weißbier zu mir nahm (hey, was anderes war einfach nicht da, ich war immerhin gerade eine Woche weg und das Hausweib weilt in den US of A). Falls mich jemand sucht in den nächsten Stunden, bin ich mit hoher Wahrscheinlichkeit gerade kotzen.

Sonntag, 25. Juli 2010

Déjà-vu


Dem kleinen Mann mit dem Zahnproblem wird langsam langweilig. Heute hat er vom Sitzrohr des On One aus nämlich wieder genau das gleiche gesehen wie vor einer Woche: Einen Sonntag auf dem Reintal-Trail. Der Grund: Wir hatten was vergessen, oben auf der Hütte und das wollten wir wiederhaben. Und, darauf lege ich wert: Es war nicht meine Schuld, wo ich doch angeblich nie an irgendwas denke. Petra hatte ihr neues Sugoi-Trikot liegen lassen.
Die Tour startete mit einem kleinen Wetterhindernis. Heute morgen sah es am Alpenrand nämlich noch alles andere als schön aus. Um nicht unverrichteter Dinge wieder heimfahren zu müssen, habe ich eine Stunde auf dem Parkplatz gewartet und den Partnach-Klamm-Touris zugeschaut. Dann hielt ich die äußeren Bedingungen für annehmbar und begab mich auf den heute so gut wie leeren (da nassen) Trail. Eine nette kleine Alpentour, inklusive Kaiserschmarrn.
Ach, übrigens, mein neues Cockpit: Syntace Vector Lowrider in der Aluversion, Syntace F119 in 75 mm, Ergon Race Grips. Die wirklich beschissenen Keil-Hörnchen habe ich runtergeschmissen. Und wahrscheinlich werde ich auch erstmal ohne Hörnchen weiterfahren, denn durch die Ergon-Griffe liegen die Hände so angenehm auf, dass ich auf die Bar Ends verzichten kann, was ich mir vor dem Ausprobieren der Ergons ehrlich gesagt gar nicht hätte vorstellen können. Ich habe die Teile jetzt nicht noch einmal abgewogen, aber vielleicht ist die Sache so ja sogar ein Nullsummenspiel und die massigen Griffe schlagen sich nicht negativ im Gesamtgewicht wieder. Der Vector ist in Werksbreite, also ungekürzt, montiert, was ich bequem und fahrtechnisch sehr zuträglich finde. Wirklich gewonnen haben die Fahreigenschaften und der Komfort des Bikes aber v.a. durch den sehr kurzen Vorbau. On One Rahmen bauen sehr lang, ich habe ein 610er Oberrohr, das muss dann eben wieder ausgeglichen werden.

Sonntag, 18. Juli 2010

They call me melon yellow




Petra hat für Zuwachs im Fuhrpark gesorgt. Ihr neues Bike ist fertig, ein sehr sehr geiles Liteville 301, in melonengelbem Custom-Paintjob mit ein paar richtig feinen Teilen dran. Sowas heißt im Jargon der Fachpresse ja neuerdings "Allmountainbike" (...daaaaamals, als ich noch Cross Country Rennen mit 60 Milimeter Federweg vorne und Felgenbremsen gefahren bin, da hatte man im Downhill-Weltcup noch weniger Federweg als heute das Liteville in reduzierter Konfiguration mit sich rumschaukelt. Hah, Kinder...) und um auszuprobieren, wie allmountain-biken so geht, haben wir das neue Pferd im Stall gleich mal einen Tag lang durch die Berge gejagt, genauer gesagt auf der landschaftlich wirklich wunderschönen Reintaltour, die ins Wettersteingebirge zur Reintalangerhütte, einem der "Basislager" für Zugspitz-Besteiger führt. Wie hoch und wie lange? Keine Ahnung, denn dort findet man sich auch ohne GPS und Tacho zurecht :-).
Obwohl wir also einen tollen Tag hatten, bin ich gerade ziemlich erschüttert: Michael Cleveland, einer der SiS-Urgesteine und auch Münchner, ist gestern aufgrund eines Rahmenbruchs beim 12-Stunden-Rennen in Külsheim schwersten gestürzt. Ich kenne den Michael nur flüchtig, unter anderem vom Tegernsee-Marathon vor ein paar Wochen. Jedenfalls ist er ein Top-Typ und wird hoffentlich bald wieder gesund, ich wünsche ihm das jedenfalls von ganzem Herzen! Im Moment liegt er wohl mit schwersten Gesichtsverletzungen auf der Intensivstation in Würzburg.
Rahmenbruch! Kein Fahrfehler, nicht zuviel Risiko, keine Übermüdung in Folge von Selbstüberschätzung, einfach ein paar Rohre Stahl (ich denke, er war mit seinem Stahlbike am Start), die plötzlich nachgeben. Wenn ich so darüber nachdenke, denke ich auch an meine bestimmt vier zerstörten Rahmen zurück. Es waren jedesmal Haarrisse, die ich beim Putzen bemerkt habe, ähnlich war es bei Matthias mit seinen diversen Rahmenbrüchen. Danke dafür!